Zugang – wozu?

Kürzlich suchte ich mit einer Kursteilnehmerin eine öffentliche Verkehrsverbindung, die für sie ohne Probleme zugänglich ist. Sie war nämlich auf den Rollstuhl angewiesen, brauchte also etwas ohne Treppenstufen und Rolltreppen beim Umsteigen und überhaupt mit Niederflurwagen, damit sie überhaupt “einsteigen” oder besser “einfahren” konnte. Die Verbindungsauskunft war teilweise etwas bedeckt … “Niederflurwagen soweit verfügbar”. Was soll nun eine Rollstuhlfahrerin damit anfangen?

Solche Treppen, Rolltreppen und nicht verfügbare Niederflurwagen, die gibt es auch im Netz. Stellen Sie sich vor, Sie können nicht oder nur sehr schlecht sehen, wollen aber am Leben im Web teilnehmen. Oder Sie haben Probleme mit der Mausbedienung – Sehnenscheidenentzündung, Gips, Beeinträchtigungen durch einen Arbeitsufall oder was auch immer.

Auch Suchmaschinen wollen keine Barrieren

Oder Sie sind gar kein Mensch, sondern eine Suchmaschine, die nicht sehen kann – und einfach nur Textinformationen scannt.  In all diesen Fällen ist jede Information, die sich nicht über Text erschließen lässt, in Bezug auf Zugänglichkeit eine Barriere. Flashseiten erschweren z.B. den Zugang erheblich. Und in Zeiten von ipad und iphone auch schon längst nicht mehr so beliebt. Zwar gibt es mittlerweile die Möglicheit, dort Flash-Videos abzuspielen, aber Flahseiten: Fehlanzeige.

Suchmaschinen wollen Texte. Sie sind eben “nur” Maschinen, die keine Augen im Kopf haben. Daher sind Textäqivalente für grafische Medien so wichtig, wenn sie Inhalte transportieren sollen. – Und eben auch eine Grundinformationen auf Ihrer Startseite und nicht ausschließlich ein schickes Bild oder eine flotte Animation.  – Was  allen Menschen mit Sehschwierigkeiten hilft, das hilft eben auch, damit Sie im Netz gefunden werden und gehört selbstverständlich zu jeder vernünftigen Suchmaschinenoptimierung dazu.

Responsive Layout erleichtert den Zugang und die Bedienung

Auch was auf eine Maus angewiesen ist, ist nicht unbedingt für jeden zugänglich. Mancher benötigt nur die Tastatur oder andere spezielle Eingabegeräte, um an Informationen aus dem Netz zu gelangen. Und was auf dem Bildschirm feinmotorisch mit der Maus erreichbar ist, ist auf dem Handy nicht mehr so einfach zu “erwischen”.

Zugänglichkeit ist daher NICHT NUR ein Thema für Menschen mit visuellen oder motorischen Beeinträchtigungen. So kommt z.B. die neue Technik des responsive Layouts Tablet-  und Smartphone-Besitzern ebenso zugute wie denen, die aufgrund einer Sehbeeinträchtigung starke Vergrößerungen benötigen. In dem Fall ist bei einem großen Teil der Webseiten ein lästiges Querscrollen die unvermeidliche Folge, wenn man auch nur einen Satz zusammenhängend lesen will.

Es gibt inzwischen einen “Quasi-Standard” für die optische Vergrößerung von Internetseiten: Drücken Sie die STRG-Taste und gleichzeitig die Plus-Taste, dann wird die Ansicht vergrößert. Mit STRG und  der Minus-Taste verkleinern Sie die Ansicht. Mit STRG und 0 (Null) setzen Sie die Ansicht auf den normalen Standardwert. Probieren Sie es aus. Ein Querscrollen wied auf dieser Seite nicht notwendig sein.

Die Basis legen

Zugänglichkeit ist also nicht nur etwas für Behörden der Bundesverwaltung, die durch die BITV von 2002 gesetzlich dazu verpflichtet sind, bestimmte Regeln einzuhalten. Es ist auch nicht nur die Frage eines sozialen Engagements, weil Sie  einen Großteil der Internetnutzer nicht ausschließen möchten. Minimalanforderungen an Zugänglichkeit sind ein Vorteil für JEDE Internetseite im Hinblick auf Suchmaschinen und auf die neuen Mobilgeräte.

Die Grundlagen dafür müssen von Anfang an gelegt werden. Sie bauen ja auch kein Haus ohne  solides Fundament. Minimalanforderungen an Webseiten wären: Textäquivalente für alle grafischen Medien, Erreichbarkeit der Inhalte auch ohne Scripting, flexible Layouts, die sich wenigstens teilweise an die Bildschirme anpassen, am besten mit fluid/responsive-Technik. Ältere Websites werden Letzteres vielleicht noch nicht oder nur in Ansätzen bieten. Für neue Projekte ist es aber eine wichtige Zielvorgabe.

Uebrigens …

Wussten Sie, dass nach Aussagen des Statistischen Bundesamtes ca. 10% der Bundesbürger mit einer anerkannten Behinderung leben?

15. April 2012 von Angelika Metzler
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